top of page

Meine Erfahrung mit Sabine

  • 24. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Es gibt Begegnungen, die sich für mich nicht als Dienstleistung beschreiben lassen.


Sie geschehen in einer Zeit, in der ein Mensch offen ist, verletzlich, werdend – und in der eine andere Person den Raum so hält, dass nichts beschleunigt oder bewiesen werden muss. So nehme ich die Begleitung durch Sabine wahr.


Ich erlebe Sabine als eine Person, die nicht kommt, um etwas „zu machen“, sondern um da zu sein – und genau darin liegt für mich ihre große Wirksamkeit. In diesem Dasein liegt eine Klarheit, die leise ist, und eine Sicherheit, die sich nicht in den Vordergrund drängt. Sie bringt Wissen, Erfahrung und innere Ordnung mit, und ich nehme wahr, wie sie all das im Hintergrund hält, solange es nicht gefragt ist. Sie wartet. Sie hört zu. Und manchmal lässt sie Dinge unausgesprochen, weil sie spürt, dass Worte den Raum eher schließen würden als öffnen.


Ihre Anwesenheit wirkt auf mich so, dass sich etwas Grundlegendes ordnet:


Ich bin dran. Ich stehe im Mittelpunkt dieses Moments. Ich darf schwitzen, loslassen, roh sein, müde, stark, ungeschützt. Ich werde nicht erklärt und nicht bewertet. Ich erlebe mich gehalten – in einer stillen Würde, die nichts fordert und gerade dadurch trägt.


Sabine begleitet uns über einen langen Zeitraum: von der Schwangerschaft bis weit über Geburt und Stillzeit hinaus. Es ist unsere zweite Hausgeburt an diesem Ort. Zwei unserer Kinder kommen in diesem Haus zur Welt, im Wohnzimmer, auf demselben Teppich. Für mich ist sie Zeugin dieses Ankommens. Durch ihre Präsenz hilft sie uns, hier wirklich Wurzeln zu schlagen – nicht nur körperlich, sondern als Familie.


Im Alltag bewege ich mich mit ihr in einem Raum, der sich nicht nach Besuch anfühlt.

Ich nehme wahr, wie selbstverständlich sie weiß, wo Dinge sind, wie sie eine Teetasse wegräumt, als gehörte sie dazu, wie sie ankommt, ohne Unruhe zu bringen. Ihre Besuche haben Zeit. Sie dauern so lange, wie Gespräche sich entfalten wollen, wie Tee warm bleibt, wie Nähe entstehen darf. Das schafft einen Raum, in dem nichts erledigt werden muss und dennoch vieles geschieht.


Auch unsere Kinder erleben sie so. Sie werden einbezogen, dürfen fragen, zuhören, mitmachen – Herzschläge hören, Puls zählen, malen, beobachten. Ich sehe, wie Sabine jedem Kind auf seine Weise begegnet: freundlich, klar, zugewandt, mit Grenzen, die Orientierung geben. Ihre Anwesenheit wirkt verbindend und lehrreich, ohne belehrend zu sein.


Die Geburt selbst erlebe ich als einen gemeinsamen, ehrfürchtigen Raum.

Alle sind anwesend: mein Mann, unsere drei Töchter – eine kommentierend, die anderen still. Sabine ist für mich die klare Ansprechpartnerin. Ich bitte um Wasser, um ein Tuch, um Orientierung. Ich frage nach Positionen, nach Entlastung, nach Möglichkeiten. Sie antwortet auf das, was ich frage, und lässt alles andere im Hintergrund. Sie spürt, wann Nähe hilft und wann Berührung zu viel wäre. Sie hört meine Angst, ohne sie kleinzureden, und macht mir Angebote, nach denen ich sie bitte.

Im entscheidenden Moment nehme ich sie als unsichtbar präsent wahr.


Alles Wesentliche geschieht, ohne dass ich mich kümmern muss. Das Kind kommt, wird aufgefangen, Handtücher erscheinen, Wärme ist da. Ich darf einfach gebären. Danach werde ich gebettet, mein Kind wird an mich gebettet, und um uns herum entsteht ein Kreis aus Nähe und Stille. Sabine behält im Blick, was medizinisch relevant sein könnte, ohne den Moment zu stören. Für mich ist das tief entlastend.


Wir entscheiden uns diesmal für eine Lotusgeburt. Auch hier erlebe ich Sabine als begleitend, nicht lenkend. Die Plazenta wird geboren, erklärt, später gewaschen, gesalzen, mit Kräutern und Blüten aus unserem eigenen Garten. Ich nehme wahr, wie sie unsere Mündigkeit bestätigt und nur dort behutsam korrigiert, wo es sinnvoll ist. Alles darf in unserem Tempo geschehen.


In der Stillzeit zeigt sich erneut ihre besondere Haltung. Sie hat das Gedeihen unseres Kindes im Blick – klar, aufmerksam, fachlich präzise – und zugleich meine Würde. Als sich zeigt, dass Stillen allein nicht trägt, bleibt sie an meiner Seite. Sie nimmt den Druck aus dem Raum und hilft mir, den Schmerz von „Ich genüge nicht“ zu lösen. So entsteht Raum für neue Wege: Pumpen, Alternativen, selbst hergestellte Säuglingsnahrung. Ich erlebe, wie meine Schöpferkraft zurückkehrt und Bindung erhalten bleibt – auch jenseits der Brust.


Der Übergang des Abstillens wird bewusst gewürdigt.

Ich bringe die Milchpumpe zurück, und am nächsten Tag steht Sabine mit einem Rosé vor der Tür. Ein Übergang wird gesehen. Für mich sind solche Gesten nicht nebensächlich – sie machen Entwicklung spürbar und würdevoll.


Zwischendurch teilen wir Brot, Früchte, Rezepte, Kräuterwissen. Thymiantee, Zichorienkaffee. Unsere Gärten, unser Backen, unsere Rituale. Solange das Getränk da ist, dauert der Besuch. Auch das empfinde ich als Teil dieser Begleitung.

Was Sabines Arbeit für mich jenseits aller Technik so wirksam macht, liegt in ihrer Natürlichkeit und Würde.


Ohne diese Begleitung wäre vieles enger gewesen: meine Freiheit, mein Vertrauen in mich selbst, mein Mut, eigene Wege zu gehen. Mit ihr ist Raum da – für Körper, für Seele, für Wachstum.


Ich bin sehr dankbar für diese Begleitung.



Heidi 

 
 
 

Kommentare


bottom of page