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Geburt von Marie

Das überwältigende Geburtserlebnis meiner kleinen Tochter Marie zu Hause bei uns, bewegt mich sogar noch am 12. Lebenstag. Ich würde sagen, ohne die vertrauensvolle Beziehung zu meiner fantastischen Hebamme Sabine und die mentale Vorbereitung mit Hilfe der friedlichen Geburt hätte ich mich sicherlich nicht so in die Naturgewalt meines Körpers und dessen Geburtsweg fallen lassen können.

Aber nun der Reihe nach: Als Zweitgebärende war ich etwas durcheinander als bereits in der 36. Woche die ersten längeren Phasen (teilweise über 2 Stunden in der Nacht) von Übungs- und Senkwehen auftraten und meine Latenzphase schließlich 3 Wochen dauerte. Das kannte ich von meiner ersten Geburt gar nicht. Meine Hebamme schaffte es meinen stetigen „jetzt geht bestimmt gleich die Geburt los – Aktivismus“ immer wieder zu erden und zu sagen „dein Körper macht das fantastisch, er bereitet sich nämlich auf die Geburt vor. Versuche die Übungswehen einfach zu registrieren und dann trotzdem wieder in den Schlaf zu finden“. So bin ich mehrmals in die Nacht mit Übungswehen gestartet, darüber eingeschlafen und am Morgen mit Baby im Bauch wieder aufgewacht. Dafür konnte ich in jeder Übungswehenphase wunderbar die Selbsthypnose der friedlichen Geburt „trainieren“. Mein innerer sicherer Ort, das Veratmen und die Visualisierung der Öffnung des Muttermundes wurden dadurch ziemlich stabil und leicht abrufbar. Was für ein spannender Krimi. 38+6 an einem Freitagabend hatte ich sogar von 18:30 Uhr bis 23:30 Uhr Übungswehen, die für mich gefühlt immer stärker wurden und sich die Abstände auch verkürzten. Völlig euphorisch habe ich meine Hebamme angerufen „ich bin mir sicher es sind Geburtswehen“ und als schließlich die Hebamme mit ihrer Geburtsausrüstung durch meine Haustür schritt, waren die Wehen vorbei. Ich hatte einen Fehlalarm ausgelöst, bin wieder eingeschlafen und wieder mit Baby im Bauch aufgewacht. 39+2 (Montag) hatte ich den ganzen Tag über immer wieder Übungswehen, aber auch nie mehr als vier in der Stunde. Inzwischen war meine Schwiegermutter angereist und ich hatte traumhafte Betreuungsumstände für meinen Erstgeborenen, was mich etwas entspannte. An 39+3 bin ich morgens mit Übungswehen aufgewacht. Wieder hab ich mich zurückgezogen und bin in die mentale Entspannung und ins Veratmen, aber die Wehen wurden nicht mehr oder stärker. Ein 20 minütiger Spaziergang auf den ich Lust hatte, brachte mich derart in die Erschöpfung, dass ich danach 2 Stunden schlief und nach dem aufwachen weiter Übungswehen veratmete. Aber es wollte an Intensität nicht zunehmen. Am Nachmittag bekamen wir Besuch von Spielfreunden meines Sohnes und abends zogen sie verkleidet an Halloween los. Ich war Gastgeberin, lief mit, stieg zu Hause unvermeidlich Treppen zwischen Spielzimmer und Esszimmer mit den Gästen, immer wieder mit vereinzelten Übungswehen. Erst ab 19 Uhr nahmen diese an Intensität zu, um 20 Uhr schmiss ich förmlich die Gäste hinaus, brachte meinen Sohn noch ins Bett und währenddessen merkte ich, dass die Wehen jetzt doch kräftiger waren und ich mich beim Veratmen mehr konzentrieren musste. Um 21 Uhr konnte ich mich endlich zurück ziehen in meine Gebärhöhle. Nur kam ich nicht richtig befriedigend in die Entspannung, weil sich noch mein Darm entleeren wollte. Dann war mir schlecht, ich konnte mich aber nicht übergeben zur Erleichterung. Konzentriertes Wehen veratmen ging am besten im Sitzen auf dem Bett. Dann war ich zwischenzeitlich sehr im Außen, um meinem Mann Anweisungen zu erteilen, wahrscheinlich aus der Erfahrung des Fehlalarms heraus. Zeitgleich wurden die Wehen immer intensiver und auch teilweise mehrere hintereinander. Obwohl mir das Veratmen und Visualisieren relativ gut gelang, tat ich mir zunehmend schwerer in die Entspannung zu kommen und mich zu erholen. Als dann meine Beine zu zittern anfingen und das mich an meine erste Geburt erinnerte, worauf eine PDA erfolgte, änderte sich schlagartig mein Bedürfnis und mein Mann musste die Hebamme rufen (ca. 22:45 Uhr), weil ich wusste, sie wird mir dabei helfen, dass ich wieder in die Entspannung komme. Gleichzeitig sollte mein Mann unsere Badewanne füllen und dort fand mich meine Hebamme auch seitlich liegend vor (ca. 23:30 Uhr). Mein Mann begann nun den Geburtspool aufzubauen, auf den ich mich richtig freute. In der Wanne hatte ich ein paar Wehen und zwei lange schöne erholsame Pausen. Bei der Wehe, die auf der zweiten Pause folgte, hatte ich innerlich ein ganz kurzes buntes Bild von einem sich öffnenden Kreis aufflackern sehen mit einer sich stark anders anfühlenden körperlichen Veränderung. Meine Worte waren nur: „Etwas stimmt da nicht, etwas ist anders“. Und plötzlich war ich bei den Presswehen angekommen. Mein Mann kam auch ganz stolz und fragte, ob er in den fertig aufgebauten Pool das Wasser einlassen solle, aber die Hebamme meinte nur: Ich glaube, eure Tochter ist schneller. So schnell gings dann nach unser aller Empfinden doch nicht. Meine Position in der Wanne erwies sich als ziemlich eingekeilt und es brauchte erhebliche Anstrengungen, um in den Stand zu kommen. Beim Aussteigen aus der Wanne platzte dann auch die Fruchtblase. Während der Presswehen krallte ich mich an allem fest, was ich zu fassen bekam, um einen Gegendruck zu haben, wechselte dann immer wieder die Position und konzentrierte mich zunehmend, dass ich bis ins letzte Fünkchen Muskelkraft genau in meinen Beckenboden hinein presste. Dabei war ich nicht gerade leise. Mir kam das Pressen auch viel herausfordernder und anstrengender als die Eröffnungsphase vor. Irgendwann spürte ich das knöcherne Köpfchen zwischen meinem Becken, was ein ganz eigenartiges, prägnantes Körpergefühl war. Weil ich merkte, dass ich meine Körperposition kräftemäßig nicht mehr lange halten konnte, schlug die Hebamme vor, dass mein Mann sich setzt und ich mich auf ihm. Es war ein Kraftakt diese Position einzunehmen und bei der darauffolgenden Presswehe dachte ich es zerfetzt meine Schamlippen, aber plötzlich war die kleine Marie als Sternenguckerin geboren <3 (0:33 Uhr). Meine Hebamme empfing die Kleine und hob sie mir hoch. Verbunden an der Nabelschnur ging ich dann mit ihr an meine Brust gedrückt ins Bett und war einfach nur überwältigt. Innerhalb einer Viertelstunde kam mit zwei Wehen die Plazenta und Marie dockte nach 20 min an der Brust an. Wir waren alle selig. Ich würde nicht sagen, dass die Geburt schmerzhaft war, aber auch nicht schmerzlos. Sie war wie meine Zugspitzwanderung damals: respekteinflößend, anstrengend bis zum äußersten Rand meiner verfügbaren Kräfte, aber machbar und getragen von einem großen Stolz auf mich, meinen Körper und meine kleine Tochter, die vollkommen gesund ist.

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